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Ortsteile in der Gemeinde Heroldsbach

  • Heroldsbach
  • Thurn
  • Oesdorf
  • Poppendorf

Einwohner

Die Gemeinde Heroldsbach hat mit ihren Ortsteilen Oesdorf, Poppendorf und Thurn rund 5.200 Einwohner.

Fläche und Lage

Das Gemeindegebiet ist auf einer Höhe von ca. 280 bis 370 m ü.N.N. gelegen und erstreckt sich auf 15,3 km².

Heroldsbach und Thurn

Die Ortsgeschichte von Heroldsbach und Thurn

Urkundlich wird Heroldsbach als „Herigoldesbach“ (= am Bach des Herigoldes) anno 1007 genannt. Es gehörte zum Königshof Forchheim und der Ort kam zusammen mit 14 weiter benannten Orten als Schenkung Kaiser Heinrich des II. zum neu gegründeten Bistum Bamberg.

Wenn so der Ort Heroldsbach im Mai 1007 in einer Urkunde erscheint, so dürfte die Entstehungszeit doch um einiges voraus liegen.

Wie eingangs auf den Namen Herigoldes verwiesen, so dürfte dieser Namensinhaber der Gründer und der erstmals in einer Urkunde 1125 benannte Friedrich von Herigoldesbach, ein Nachkomme in der Geschlechterfolge sein. In der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts fingen die freien oder adligen Geschlechter an, sich nach ihrem Burgsitz zu benennen.

In Kenntnis dieser Gegebenheit ist man versucht, in die Zeit um 800-1000 einzudringen. Aus den Abhandlungen der hinlänglich bekannten Historiker (Geschichtsschreiber), um hier nur die Namen von Dr. Weigel, Dr. Sitzmann, Bühler, Prof. Kunstmann, P. Oesterreicher und Dr. Kupfer (Hausen) zu nennen, findet sich genügend Material, welches über die Geschichte im fränkischen Raum und so auch besonders über Heroldsbach Aufschluss gibt.

Einige Lücken finden sich auch hier, die, aus welchem Grund auch immer, noch nicht erschlossen wurden. Aus Abhandlungen und Literatur, so „Das Bistum Bamberg in Geschichte und Gegenwart“ von Dr. Urban wird bekannt, dass im Gebiet der Diözese Bamberg im 10. Jahrhundert Landesausbau betrieben wurde, nicht jedoch durch das Bistum Bamberg und auch nicht durch das bis 1007 zuständige Bistum Würzburg, sondern durch die Gaugrafen von Schweinfurt und deren Ministerialen. Auch das kirchlich herrenlose Waldgebiet des Regnitzlandes (Radenzgau) wird so von den Schweinfurtern gerodet und mit Kolonisten besetzt. So ist geschichtlich bekannt, dass naheliegende Orte wie Einflussbereich der Markgrafen von Schweinfurt standen und eine Zufallserfahrung ist für unsere Ortsgeschichte nicht ganz unbedeutend.

Im Landkreis Schweinfurt findet sich noch heute der Ort Hergoldshausen (der Gemeinde Weigoldshausen zugehörig), welcher laut Urkunde des Klosters Fulda (dem zentralen Ort der Christianisierung Frankens) im Jahre 837 als „Herigolteshaus“ bekannt wird. Eine weitere urkundliche Erwähnung nennt den Ort „Herigolteshausen = zu den Häusern des Herigoltes“. Zum Vergleich gestellt ergibt sich hier doch eine Parallele zur Ortsbezeichnung von „Herigoldesbach = am Bach des Herigoldes“. Wenn nun die Gaugrafen von Schweinfurt in der Zeit von 800-1000 die Besiedlung und Christianisierung bis in den Radenzgau (zur Regnitz) vorantrieben, ist doch nicht auszuschließen, dass dieses reichsfreie Geschlecht derer von Herogolteshausen mit dem von Herigoldesbach sippenverwandt ist. Nach dem vorausgeschilderten Landesausbau erscheint erklärbar, dass ein Mitglied vom Stamme der Herigolts die Ländereien im Bereich der heutigen „Oberen und Unteren Mark“ in Besitz genommen hat und als Ministeriale im damaligen Königshof zu Forchheim tätig war.

In den Niederschriften der Chronisten wird darauf verwiesen, dass diese reichsfreien und begüterten Edelherren in oder bei ihren Besitzungen auch eine Kapelle errichteten. Dies dürfte so auch hier bei den Herren von Herigoldesbach zutreffend gewesen sein, – wird doch in der Urkunde zur Grundsteinlegung unserer Pfarrkirche darauf verwiesen, dass an der Stelle des alten Kirchleins vorher ein alter Tempel gestanden sei.

Bei den Restaurierungsarbeiten an der heutigen Kirche konnten bei Freilegung der Grundmauern unter denselben an 2 Stellen größere Blocksteinquader eingesehen werden.

Der Ansitz der „Herigoldes am Bach“ dürfte vermutlich in einem größeren Turmhaus (eben tempelbauähnlich) gewesen sein. Nach dem Aussterben oder einer Umsiedlung derer von Herigoldesbach hört man urkundlich bis ins 13. Jahrhundert nichts mehr. Im Jahre 1327 gab ein Bischof Heinrich von Sternberg an die Gottsmenner die Burg zu Heroldsbach als Burghut zum Lehen, das heißt die Gottsmenner haben dieses erwähnte Turmhaus mit Kapelle als Hüter der Kirche übernommen und es kam wohl im Zeitraum der Geschlechterfolge zum Bau der Burg „zum Thurn“ genannt.

Der untenstehende, aus dem Lateinischen übersetzten Wortfolge ist zu entnehmen, dass eben dieser Kaiser, Heinrich II, das damalige Herigoldesbach im Mai des Jahres 1007 zusammen mit weiteren 13 Orten des Radenzgaues wie auch die Stadt Forchheim dem von ihm geschaffenen Bistum vermachte.

Die Schenkungsurkunde über diesen Vorgang bedeutet so gleichsam die erste urkundliche Erwähnung des heutigen Heroldsbach.

1007 November 1 Frankfurt. Kaiser Heinrich II schenkt dem von ihm zu Ehren der hl. Gottesgebärerin Maria, der hl. Apostel Petrus und Paulus und der Märtyrer Kilian und Georg gegründeten Bistum Bamberg gewisse ihm rechtsgemäß zustehende zu Forchheim gehörige Orte (quaedam nostri iuris loca asd Forchheim pertinentia), nämlich „Vvitlolfeshoua“ (Weigelshofen), „Truobaha“ (wohl Untertrubach), „Tuosibrunno“ (Thuisbrunn), „Hecilesdorf“ (Hetzelsdorf), „Arihinbach“ (Kirchehrenbach), „item Arihinbach“ (wohl Ober- nicht Unterehrenbach), „Vvaldrichesbach“ (wohl irrig für „Waltrichesstatt“, Wellerstadt, wie in der Bestätigungs-U., vgl. Reg. von 1062 Juli 13, also nicht Ober-, Mittel- oder Unterweilersbach), „Seuuaha“ (Kleinseebach), „Merdindorf“ (Möhrendorf), „Husa“ (Hausen), „Herigoldesbach“ (Heroldsbach), „Vvimbilibach“ (Oberwimmelbach), „item Vuimbilibach“ (Unterwimmelbach), „Slierbach“ (abgeg. Flurlage bei Burk) zu Händen des 1. Bischofs Eberhard. Schließlich schenkt er alle bebauten und unbebauten Örtlichkeiten (loca) und alle Mincipoen beiderlei Geschlechts, wo immer sie sitzen (habita) sowie jene, die zu Forchheim angesessen sind (habitantia ad eundem locum Forchheim dictum), ausgenommen jedoch lediglich jene, die im Dorfe wohnen (in eadem villa modo habitantibus), – im Gaue „Radinzgoue“ und in der Grafschaft des Grafen Adalbert mit allen erdenklichen Nutzungen.

Im Jahre 1422 ließ sich ein Livin Gottsmann mit der Behausung zum Thurn belehen. Da ja das Dorf Thurn eine jüngere Gründung der Freiherren von Horneck ist, erlaubte der Fürstbischof dem Wolf Gottsmann zu Thurn, eine 28 Tagwerk große Wiese als Weiher anzulegen und am Weiher eine Mühle zu erbauen. Diese Mühle, die 1502 die Mühle am Kuffelsee genannt wurde, verkam durch Kriegswirren zur Ruine und wurde um 1860 abgebrochen. Auf älteren Karten findet sich noch der Eintrag „die Kübelmühle“.

Wolf Gottsmann, in der Zeit von 1488-1492 Schultheiß von Forchheim stand unter den Landfriedensbrechern, über die sich Fürstbischof Heinrich im Jahre 1493 beim Kaiser beklagte, an erster Stelle und verfiel dadurch der Reichsacht, erscheint aber trotzdem im Jahre 1498 als Hofmeister.

Der zu Thurn angesessene Zweig der Gottsmänner schloss sich der Reformation an. Cuntz Gottsmann übersiedelte im Jahr 1530 nach Thüringen und wandte sich der Lehre Luthers zu. Mit Hans-Friedrich Gottsmann, 1580-88 Hauptmann ob dem Gebirg, kurfürstlich-sächsischem Rat erlosch dieses Geschlecht im Jahr 1611.

Im Jahre 1605, also noch bei Lebzeiten des letzten Gottsmann, verlieh Fürstbischof Joh. Philipp von Gebsattel seinen Brüdern Ott-Wilhelm und Wolf-Christopf die Anwartschaft auf das adelige Thurn. Diese jedoch traten das Gut wieder an Rudolf und Heinrich von Bünau ab, deren Mutter Magdalene des letzten Gottsmanns Tochter war. Die Bünau gerieten in Schulden. 1680 war als Gläubiger Heinrich Wilhelm von Schönfeld in ihre Güter eingesetzt und da die Schuld nicht abgetragen wurde, so verkaufte dessen Sohn Christoph Ludwig das freiadelige Gut Thurn mit Bewilligung des Bamberger Lehenshofes im Jahre 1748 an den Domkapitular und nachherigen Domdekan Lothar Franz Philip Wilhelm Freiherrn Horneck von Weinheim (1694-1758), der hiermit das schöne Gut zu dauerndem Besitz erwarb und bei seinen Lebzeiten noch vollständig umbaute. Sein Bruder, der Kaiserliche Geheimrat und letzte Vizedom von Kärnten, Joh. Phil. Anton (1708-1768) bekam wegen seiner außerordentlichen Verdienste beim Verkauf der bambergischen Gebiete in Kärnten besondere Ehrungen. Die Herzen der beiden sind in der Schlosskapelle zu Thurn beigesetzt. Die Freiherren von Horneck waren auch für die Stadt Bamberg große Wohltäter. Auch ist der im Jahr 1799 vollzogenen ehelichen Verbindung des Barons Adam Friedrich von Horneck mit der Freiin Auguste Elisabeth von Sturmfeder zu gedenken. Seit dem Aussterben dieses, wie auch die Horneck, dem schwäbischen Adel angehörigen Geschlechts, führt der Majoratsherr als dessen Haupterbe den Namen von Sturmfeder-Horneck. Domdekan von Horneck ließ nach vollzogenem Kauf das ehemals „hölzerne und teilweise baufällige Schloß“ abtragen, das jetzige zweiflügelige Schlossgebäude in Stein, sowie Brauhaus, Wirtshaus und Wirtschaftsstadel aufführen, weiter den herrlichen Garten anlegen und umliegend Obstbäume pflanzen. Es ist also der Schöpfer des Schlossgutes Thurn, wie es uns heute mit allem Zauber entgegentritt. Als Architekt stand ihm der damalige Leiter des Bamberger Bauwesens, Ing. J. J. M. Küchel zur Seite, dessen Kunst besonders am Gartenpavillon zum Ausdruck kommt. Mitten im Grünen leuchtet aus einem Plateau das hohe Schloß, von einem breiten Graben umzogen.

Das heute langgestreckte Straßendorf Thurn verdankt seine Entstehung ebenfalls dem Schöpfer der Schlossanlagen von Thurn. Hofmarschall Horneck ließ die Häuser nach und nach erbauen und wies jedem seiner Ortsbürger einen Streifen Ackerland zu. Diese neuen, eigentlich unbemittelten Leute, die der Nachbarschaft „öfters schädlich und gefährlich“ wurden, konnten sich durch den Großmut des Schlossherrn als ehrliche freie Menschen zeigen.

Die eingesessenen „Thürner“ haben heute noch aus dieser Zeit den Namen „Zigeuner und Schwarzbeerreißer“, was durchaus als Ehrentitel verstanden wird.

Der von Hornecksche Besitz wurde noch wesentlich vergrößert durch den Erwerb der Güter in Maroldsweisach 1768, von Burggailenreuth 1823 und Wiesenthau.

1917 fielen ferner an durch Erbschaft die Besitzungen des bekannten schwäbischen Adelsgeschlechtes der Sturmfeder-Horneck. Irmgard Freiin von Strumfeder-Brandt heiratete 1937 einen Götz Graf von Bentzel-Sternau (Schloß Jägersburg).

Der nunmehrige Besitzer Hannfried Graf Bentzel-Sturmfeder-Horneck erstellte im Areal des alten Schlossparks auf einer Fläche von ca. 400.000 qm einen modernen „Freizeitpark“.

Oesdorf und Poppendorf

Die Ortsgeschichte von Oesdorf und Poppendorf

Oesdorf – nach den ältesten Aufzeichnungen zum Dorf des Odi, auch Oti genannt, dürfte – ausgehend von dem ehemaligen Königshof Forchheim – eine Siedlung der damals hier ansässigen Franken sein. Der Königshof Forchheim, der etwa um das Jahr 750 errichtet wurde, war der Mittelpunkt größerer landwirtschaftlicher Besitzungen, die dem König unmittelbar unterstanden. Die Königshöfewaren Mustergüter für die umwohnende Landbevölkerung, die Gärten, Obstbaumanlagen, Mühlen, Scheunen, Futter- und Lebensmittel, Stallungen, Hallen und Unterkünfte für Gesinde und Krieger umfassten.

Zur wirtschaftlichen Sicherung des Königshofes sind weitere ländliche Siedlungen in der Umgebung gegründet worden, zu denen sicherlich auch das heutige Oesdorf gehören dürfte. Symptomatisch für derartige Siedlungen war ihre Bezeichnung, weil sie in der Regel immer nach dem Namen des Gründers benannt wurden (Dorf des Odi oder Oti).

Dies trifft auch für die Ortschaft Poppendorf zu, die 1403 erstmals urkundlich erwähnt wurde und das Dorf des Poppo auch Bodo genannt wurde (altdeutsche Namen von Försemann, Bonn 1901).

Nachdem von Ziegenhöfer und Dr. Gustav Hey herausgegebenen Buch „Die Ortsnamen des ehemaligen Hochstiftes Bamberg“ finden sich als weitere Bezeichnungen für Oesdorf der Name Odestorf, nach den Bamberger Blättern – Bericht über den Bestand und das Wirken des historischen Vereins für Oberfranken (Folge 40 S. 143) – hies Oesdorf auch Ottersdorf nunc (jetzt) „Oesdorff“.

In einer Urkunde aus dem Jahre 1404 findet sich die Bezeichnung Oetsdorff. So hat sich der Name der Ortschaft sehr häufig gewandelt.

Aber schon lange vor den Franken war unsere Gegend besiedelt. Vor den Franken waren die Alemannen, die im Jahre 506 besiegt wurden und die Thüringer, deren Herrschaft im Jahre 531 durch die Franken besiegelt wurde, im Regnitzund Aischgrund ansässig.

Nach einer Abhandlung von Dr. Hermann Födisch „Aus der Vorgeschichte des Forchheimer Umlandes“, die im von Herrn Kaupert herausgegebenen Buch „Forchheimer Heimat“ veröffentlicht ist, war schon in der Urnenfelderzeit (etwa 1200 bis 800 vor Christi) hier eine dichte Besiedlung vorhanden. Davon zeugen die aus dieser Zeit stammenden kunstvollen Bronzen und auch verzierte Keramik und vor allem die Hügelgräber, die außer bei vielen anderen Orten des Kreises auch bei Oesdorf gefunden wurden. Oesdorf und Poppendorf waren einst selbständige Gemeinden, vereinigten sich jedoch später. Sie gehörten stets zur katholischen Pfarrei St. Michael Heroldsbach.